Unsere Camps

Durch Empowerment Camps konnten wir in den Jahren 2016, 2018 und 2019 insgesamt 525 Mädchen für die Zeit, in der die Beschneidungen stattfanden, einen sicheren Ort bieten. Diese Sicherheit konnten wir durch Hausbesuche bei den Familien auch nach Ende der Camps weiterhin gewährleisten. So arbeiten wir sowohl während als auch hinterher eng mit den Familien zusammen. Durch Vater-Töchter und Mutter-Töchter Seminare, welche die Bindung und gegenseitiges Verständnis stärken, aber besonders auch den Müttern und Vätern aufzuzeigen, dass eine Zukunft ohne FGM/C  (Weibliche Genitalverstümmelung/Beschneidung) möglich und vor allem die richtige Entscheidung für ihre Töchter und Enkelinnen ist. 

Während der Camps besuchen die Mädchen speziell auf die Thematik FGM/C und Kinder-/Frauenrechte abgestimmten Unterricht. Zum Beispiel werden die Fächer “FGM/C allgemein” (was bedeutet es überhaupt, beschnitten zu werden?, welche Typen gibt es? etc.) “Weibliche Anatomie”, “Geschlechtserkrankungen”, “Frauen- und Kinderrechte”, “Kulturelle Traditionen” und “Soziale Skills” unterrichtet.

Des Weiteren nehmen unsere Camp Teilnehmerinnen an Experten-Seminaren und Vorträgen von betroffenen Frauen, Vorbildern, Aktivisten, Mitarbeitern anderer Hilfsorganisationen, wie z.B. World Vision und dem Children’s Officer (Jugendamtsmitarbeiter) teil.

Der letzte Tag des Camps ist für unsere Mädchen dann der absolute Höhepunkt des Rahmenprogramms. Wir feiern mit ihnen die “Alternative Rite of Passage”. Es gibt ein großes Fest, mit vielen Gästen, unter anderem den Familien der Mädchen, sowie Politiker und Stammesälteste. Es gibt Musik, Tanz und das eigentliche Ritual – die Mädchen laufen geschmückt mit Blumen und Ketten durch die Straßen, singen, tanzen und präsentieren so ihre Reifung zur Frau. 

Eine Zeremonie, wie sie auch nach der Beschneidung stattfindet. Nur ganz ohne den schrecklichen “Cut”.

Die Finanzierung eines solchen Camps stellt Zinduka e.V. durch die Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen, kirchlichen Institutionen und privaten Unterstützern auf die Beine. 

In der Vergangenheit wurden die Camps u.a. finanziert von: Katholische Kirche Marburg, Action Five e.V. Bonn, Tatort – Straßen der Welt e.V., Wagner Holding GmbH, Bettina von Arnim Schule Marburg, World Vision Kenya, sowie sehr vielen privaten Förderern. 

Die Kosten für das diesjährige Camp (ca. 10 Tage) betragen pro Camp-Teilnehmerin ca. 150€. Diese stellen sich zusammen aus: 

  • Verpflegung (drei Mahlzeiten, Snacks, sauberes Trinkwasser)
  • Hygieneartikel (Binden, Toilettenpapier, Seife, Desinfektion, Masken)
  • Medizinische Versorgung (Vor Ort durch medizinisches Personal oder im Krankenhaus)
  • Schreibmaterialien (Hefte, Stifte, Flipchart, Kreide, Marker, Bastelmaterial, etc.)
  • Unterkunft (Entschädigung für Nutzung der Gebäude)
  • Administration (Vergütung des Personals, sowie Trainer*Innen und Erzieher*Innen)
  • Abschlussfeier (Verpflegung, T-Shirt, Urkunde)
  • Kommunikation (Follow-Up Besuche mit Familien, Kommunikation während des Camps)

Für dieses Jahr plant Zinduka zwei Camps mit jeweils ca. 100 Mädchen durchzuführen. Der Ältestenrat in Kuria hat Ende August 2021 bekannt gegeben, dass sowohl im Oktober, als auch im Dezember FGM/C praktiziert werden wird. Es handelt sich jeweils um einen 7-10 tägigen Zeitraum. Kosten hierfür betragen insgesamt ca. 30.000€ (150x100x2). 

Persönliche Rückmeldungen der Camp Teilnehmerinnen und ihrer Eltern:

  • “I didn’t know how bad FGM is and now I will always say NO.”
  • “I have learned to say NO.” 
  • “I want to go to school and become a doctor one day.”
  • “What my daughter learned in your camp was incredible. She taught it to all her siblings and friends in school and she also improved, she has better grades now. She is a different person.”
  • “My daughter is very outgoing and self-confident now.” 
  • “Our daughter told us that she will never undergo the cut.” 

...hautnah Miterleben...

ein Ausschnitt aus Antonia’s Tagebuch  (Dezember 2012)

“Was mich momentan hier sehr belastet, ist die Zeit der Beschneidung und weiblichen Genitalverstümmelung, die seit Anfang Dezember zum Alltag wurde. Jeden Morgen werden viele Jungs und Mädchen beschnitten und verstümmelt und marschieren dann jubelnd, tanzend und singend nach Hause. Ich versuche, die Kultur zu verstehen, allerdings gelingt es mir noch nicht so ganz…

Es wurden 2010 noch von Entwicklungsorganisationen vor Ort Camps organisiert, die während der Beschneidungszeit aufgeschlagen wurden. Sie waren Anlaufstellen für Mädchen, die von ihren Eltern gezwungen wurden, selbst aber stark genug waren, sich gegen die Verstümmelung zu wehren und wegzulaufen.

Ich hatte vor, genau diese Lager aufzusuchen, sie zu unterstützen und mich mit den Mädchen dort auseinanderzusetzen. Allerdings war die Suche erfolglos. Die Camps finden seit diesem Jahr nicht mehr statt. Angeblich gibt es keine Mädchen mehr, die gezwungen werden. Tatsächlich bekomme ich mit, wie viele Mädchen den grausamen Akt freiwillig über sich ergehen lassen wollen. Beispielsweise, weil ihre Freundinnen es auch machen und sie „uncool“ sind, wenn sie nicht auch verstümmelt sind. Oder auch, weil sie Angst haben, keinen Mann zu finden, bzw. von der Familie des Mannes verjagt zu werden, denn diese könnte nur eine beschnittene Frau akzeptieren.

Dass es bereits illegal ist, Mädchen zu verstümmeln, wissen die Kuria zwar, interessiert sie aber keineswegs. Die Polizei hat sogar letzte Woche, als das Ganze begann, die Verstümmlerin festgenommen und die Prozedur verboten. Allerdings waren die Kuria mit Macheten, Messern und gefährlichen Gegenständen in der Überzahl und haben die Frau zurück erobert. Trotzdem verstümmelt sie dieses Jahr keine Mädchen. Deshalb müssen diejenigen, die sich jetzt verstümmeln lassen wollen, in die nächste Gemeinde laufen, in der die Prozedur noch möglich ist. Das sind dann über 12 Kilometer, die die Mädchen vor und nach dem Ereignis laufen müssen. Einige kommen bei uns zuhause in blutgebadeten Gewändern an. Die Blutpfützen auf der Straße sind schon fast normal für mich…

Zum Glück lebe ich in einem Dorf, in dem die Jugendlichen sehr stark sind und sich fast alle gegen die weibliche Genitalverstümmelung gewehrt haben. Zusammen mit meiner Gastschwester haben wir uns schon den Mund fusselig geredet und versucht, andere sturköpfige Mädchen zu überzeugen, sich nicht auch beschneiden zu lassen. Mehr können wir vorerst leider auch nicht tun…”